17.05.2017

"Dass Politiker uns völlig ignorieren und unsere Existenzen verlosen, das macht uns zornig!"

Vera Metzmacher: "Viele von uns haben nach der Schicht kaum geschlafen und wollten unbedingt bei dieser Demonstration für den Erhalt unserer Arbeitsplätze dabei sein." – Ulrike Drechsler hat drei Kinder und einen schwerbehinderten Mann: "Ich glaube nicht, dass die Damen und Herren, die uns das einbrocken, wissen, was sie tun.“ – Die Auszubildende Katrin Sperling (in der Mitte auf dem unteren Bild) macht deutlich: "Wir verstehen nicht, warum unsere Arbeitsplätze schlecht sein sollen. Wir wollen, dass die guten Spielhallen bleiben."

Bei der gestrigen Großdemonstration von Branchenangehörigen in Hannover mit rund 2 000 (!) Teilnehmerinnen und Teilnehmern fing der AutomatenMarkt viele kritische Stimmen zur Politik der rot-grünen Landesregierung in Niedersachsen ein. Hier ein Ausschnitt:

Vera Metzmacher, seit 17 Jahren Mitarbeiterin der Merkur-Spielothek und alleinerziehende Mutter, zog einen rollenden Sarg mit der Aufschrift "Wir beerdigen 4 000 Jobs" hinter sich her. Sie sagt: "Wir lieben die Arbeit mit unseren Gästen, das kollegiale Umfeld ist super. Alle sind bestens und nachhaltig geschult, auch in puncto Prävention. Viele von uns haben nach der Schicht kaum geschlafen und wollten unbedingt bei dieser Demonstration für den Erhalt unserer Arbeitsplätze dabei sein. Dass einige Politiker uns völlig ignorieren und unsere Existenzen verlosen, das macht uns zornig!"

Die Kollegin Stefanie Kruse aus Hannover, seit 13 Jahren in der Branche, erklomm sogar das Podium. "Die Diskussionen über unsere Branche sind zum Teil sehr unseriös. In einer Cocktailbar steht auch nicht auf jeder Serviette: ,Alkohol gefährdet Ihre Gesundheit'. Viele Politiker machen sich keine Mühe, mit uns zu sprechen. Sie entscheiden von oben herab über mündige Bürger, statt einmal unsere modernen Spielhallen vorurteilsfrei zu besuchen. Klar ist doch: Spielsucht-Betroffene kann man nicht einfach aussperren und in die Illegalität treiben, man muss ihnen helfen!"

Ulrike Drechsler, seit 14 Jahren bei Löwen Play am Steintor in Hannover tätig, hat drei Kinder und einen schwerbehinderten Mann: "Ich bin die einzige Verdienerin in der Familie und jetzt wurde unsere gut geführte Spielhalle verlost. Mein Arbeitsplatz ist also bald Geschichte. Ich glaube nicht, dass die Damen und Herren, die uns das einbrocken, wissen was sie tun.“

Aus Wolfenbüttel sind unter anderem Melanie Rudnick (alleinerziehend, vier Kinder), Marcel Weingärtner und Melanie Schiller (alleinerziehend, drei Kinder) angereist: "Unsere Chefs, die Familie Dürschlag, hat alle Spielstätten heute bis 16 Uhr geschlossen und unsere Spielgäste dafür um Verständnis gebeten. Wir wissen allein von sechs Spielstätten, die in unserer Residenzstadt schließen müssen und kennen persönlich viele der Betroffenen. Was der Staat hier mit uns macht, ist im höchsten Maß unwürdig und nicht zu verstehen. Familie Dürschlag musste schon 16 unserer Kolleginnen und Kollegen aufgrund dieser willkürlichen Verlosungen eine Kündigung aussprechen."

Familienvater Marko Kallen aus Oldenburg, seit vielen Jahren für Admiral tätig, trägt ein selbst gebasteltes gelbes Transparent: "Der blinde Fisch lost um Arbeitsplätze. Ohne Kopf & Verstand." Auf der Rückseite steht: "Hier bangt ein Familienvater um seinen Arbeitsplatz!" Er sagt: "Wir wollen von der Politik endlich fair behandelt werden. Die rot-grüne Landesregierung sollte sich schämen!"

Wir treffen auf zwei Auszubildende von der Schmidt Gruppe, Katrin Sperling und Marco Schäfer. "Wir verstehen nicht, warum unsere Arbeitsplätze schlecht sein sollen. Wir wollen, dass die guten Spielhallen bleiben. Es kann doch in einer Demokratie nicht sein, dass Existenzen verlost werden!"

Justyne Bartsch ist aus Braunschweig gekommen: "Hier soll unsere Merkur-Spielothek in der Friedrich-Wilhelm-Straße schließen. Unsere vielen Stammgäste verstehen die Welt nicht mehr. Ich bin froh, dass wir heute alle zusammen auf die Straße gehen und unseren Protest öffentlich machen können. Dieser Tag ist sehr bewegend für mich."

Aus Geeste im Emsland sind Kerstin Köller und Iris Mumsen angereist. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut", skandieren sie mit vielen hundert Berufskolleginnen und -kollegen. Auf einem Protestschild die Worte "Wenn ich nicht auf meine Spielgäste aufpasse, tut es keiner mehr." Beide haben Kinder und fürchten um ihr Einkommen: "Wir sind alle geschult in der Suchtprävention und haben ein Auge auf unsere Gäste. Dass uns die Politikerin von der CDU und der FDP-Politiker mit ihren Ansprachen ermutigt haben, freut uns. Wir fühlen uns von Ministerpräsidenten Weil in Stich gelassen."